Kapitel: In der Öffentlichkeit / Presseberichte / Lag baOmer


Frieden kommt an

Lag baOmer 2014 im Garten der Freiheit in der Hessentagsstadt Bensheim

Im
Garten der Freiheit in der Hessentagsstadt Bensheim wurde am vergangenen Sonntag erstmals das jüdische Lag baOmer-Fest gefeiert. Es ist ein Fest in der freien Natur. Der Garten der Freiheit liegt ganz im Grünen im Geopark Bergstraße-Odenwald am Europäischen Fernwanderweg. Bei bestem Wetter traf dort die jüdische Chabad Gemeinde aus Karlsruhe auf Bürger aus der Hessentagsstadt. Das Begegnungsfest stand unter dem Motto: Frieden kommt an. Der Garten der Freiheit mit dem Friedensmal macht mit seiner Atmosphäre und Symbolik Schritte in ein neues Miteinander möglich. Er stellt dar, was aus einer dunklen deutschen Vergangenheit für die Gegenwart zu leben ist: er ist der Würde und Freiheit des Menschen gewidmet und er ist mit dem Grenzstein mit der Inschrift "Yerushalayim'" auch ein Bekenntnis von deutscher Seite zu einer jüdischen Wurzel unserer abendländischen Kultur.

Um 11:30 Uhr wurden die 50 jüdischen Gäste aus Karlsruhe am Ortseingang des Bensheimer Stadtteils Hochstädten im Tal empfangen. Der Weg hoch auf den Hügel des
Gartens der Freiheit führte über ein Gelände, auf dem sich im 2. Weltkrieg ein Außenlager des KZ-Natzweiler Struthof befand. So war auch hier wie an vielen Orten in Deutschland noch die Vergangenheit gegenwärtig. Es war eine kurze Wanderung von 30 Minuten. Im Garten der Freiheit angekommen führte der Initiator und Architekt der Friedensstätte Thomas Zieringer die Gäste durch die Symbolik der Gestaltung. Startpunkt war der (Jerusalem) Grenzstein. Er hat eine Seite des Schmerzes mit dem Aufruf: „Wo sich Staub zu Licht wandelt” und eine Seite der Hoffnung und Freiheit mit dem Ruf neuen Lebens: Yerushalayim! Der Rabbiner der jüdischen Chabad Gemeinde, Mordechai Mendelson, machte am Grenzstein in einer Rede darauf aufmerksam, dass solche so notwendigen Orte nur mit viel Idealismus und einer Freiheit von materiellem Denken entstehen können. Als Dank für die Anstrengungen der Engagierten des Vereins Friedensmal Wendepunkt e. V. überreichte er dem Initiator des Projektes eine Skulptur aus Silber, welche die Stadt Jerusalem darstellt.

Die Besucher gingen dann gemeinsam in das 26 m große
Friedensmal in der Mitte vom Garten der Freiheit. Dort gingen sie über die Schwelle, die um das Denkmal läuft. Auf ihr steht geschrieben: „Erkennet das Heilige in eurer Mitte”. So verschieden die Menschen in der Welt sind, so finden sie doch eine Gemeinsamkeit in der Würde, die jedem Menschen zusteht. Der Gang in das Friedensmal findet seinen Abschluss in der Mitte im Lebensbaum. Dort finden die Besucher einen Davidstern, der auf einer „Weißen Rose” liegt.

Der gute Geist am Friedensort war in vielen Details zu beobachten. So hatten die jüdischen Besucher koscheres Essen für ihr Picknick mitgebracht und andere Besucher hatten ihr Picknick mit Speisen, die nicht koscher waren. Und doch trennte es nicht die Menschen, denn die Freude war eine gemeinsame. Die Kinder spielten gemeinsam, unbeeinflusst davon, ob sie Juden waren oder gar Alteingesessene oder Neubürger im Ort. Um 3 Uhr nachmittags verabschiedete sich Rabbiner Mordechai Mendelson und seine Gemeinde von den Gastgebern in Bensheim-Hochstädten. Die Fahrt der jüdischen Besucher ging weiter nach Michelstadt. Dort lebte einst der Rabbiner Seckel Löb Wormser, der ein großer Gelehrter war. Es erinnert an ein reiches jüdisches Leben in Deutschland.

Nach dem Abschied wurde es wieder ruhig im
Garten der Freiheit am Europäischen Fernwanderweg. Aber nur für kurze Zeit. Viele Wandergruppen würden an diesem Tag noch Rast an der dieser Stätte des Friedens und der Begegnung in der Natur machen.




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