Kapitel: Garten der Freiheit / Die Ziele  -  Navigation: rundes Menüsymbol


Frieden und Schalom

Eigentlich gibt es nur ein Ziel des Projekts: Frieden und Schalom. Damit ist der umfassende Frieden gemeint, der in der eigenen Seele verankert ist. Frieden wird als eine Haltung verstanden, die von innen nach außen wirkt. Dafür steht die Rose des Schalom in der Mitte des Gartens der Freiheit. Dieser umfassende Friede lässt niemanden außen vor. Alle Menschen haben ihren Schmerz und ihre Freude. Jeder kann diesen Ort besuchen und Schalom als Frieden im eigenen Herzen finden. Dieser Ort hat somit etwas vom himmlischen Jerusalem. Damit ist es auch nicht ein "Denkmal für die Juden" oder ein "Denkmal für die Deutschen", sondern ein Schalom für den Menschen.

Neben den guten Worten für den Verstand möchte ich auch mit einem Musikstück spürbar machen, um was es hier geht:
Rückkehr meiner Seele  (von Shlomo Carlebach, geboren im Jahr 1925 in Berlin).


Ziele beim Projekt

  • Der Garten der Freiheit  zeigt in seiner Symbolik mit dem Grenzstein und dem Friedensmal  die Versöhnung zwischen Menschen und die Versöhnung mit uns selbst in unserem eigenen Wesen. Sich der Vergangenheit zu stellen und eine Verbindung zu ihr zu haben ist wichtig, sogar wenn darin Schmerz liegt. Aber es geht darüber hinaus: wir müssen uns darum bemühen wollen, die Last der Vergangenheit in einen Segen für die Zukunft zu wandeln. Nur dann können wir von wahrer Verantwortung sprechen. Dafür wirkt dieser Ort des Schalom.
  • Diese Arbeit geschieht am Fundament unserer Kultur, welche sich in über tausend Jahren entwickelte. Um eine Nachhaltigkeit sicherzustellen muss die in der Kultur entstandene und geborgene Spiritualität in der materiellen Welt sichtbar werden; in der Sprache der Kunst, in den Symbolen und Denkmälern. Dieses Projekt dient diesem Ziel.
  • Ohne die Idee des Friedens in den Herzen der Menschen wird es keinen Frieden in der Welt geben. Dieser Ort soll dafür Bewusstsein schaffen.

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im 1. Artikel des deutschen Grundgesetzes, das im Bewusstsein von Krieg, Verfolgung und Entmenschlichung formuliert wurde. Der Mensch, der sich seiner Würde bewusst ist, kann aufrecht auf seinem Weg in dieser Welt gehen. Wo fängt die Entwürdigung des Menschen an, dass man selbst nicht mehr aufrecht gehen kann oder es anderen nicht erlauben will? Das Projekt vom Garten der Freiheit sei eine Stimme, die in diesem Sinne nicht niederdrückt, sondern Menschen aufrichten will.


Aufrecht sein

Im Lärm und Kampf
bestehen und siegen
soll die Weisheit darin liegen
sich im Innern zu verbiegen?

*
Aus der Stille, aus dem Innern,
reicher als des Goldes Schimmern,
reiner Worte sich erinnern
dass sie richten Seelen auf


(T. Zieringer, 2014)


Vergangenheit

Als Ort für den Garten der Freiheit wurde ein Grundstück auf einem Hügel der Bergstraße (Odenwald) gewählt. Unterhalb im Tal befand sich im sog. 3. Reich eine Außenstelle des KZ Natzweiler-Struthof. Somit werden auch die Themen Krieg, Verfolgung und das dem sog. 3. Reich eigene Lagerwesen, das mit KZ's und den zahlreichen Außenlagern Europa "überspannte", berührt. Von diesem Ort aus kann man in die Rheinebene schauen. Hier befand sich einst das "Jerusalem am Rhein", wo die jüdische aschkenasische Kultur im frühen Mittelalter zur Blüte gelangte. Diese Kultur wurde während der Zeit der Kreuzzüge durch Kreuzritter zerstört und viele der deutsch sprechenden Juden flohen nach Osteuropa (—> Jiddisch als Sprache der aschkenasischen Juden).

Die Themen der Vergangenheit fließen durch die Wahl des Ortes vom
Garten der Freiheit indirekt ein. Die Friedens- und Freiheitsstätte entsteht also nicht als schöne Idee in der grünen Landschaft, sondern tatsächlich am geeigneten Ort als ein nächster Schritt in der Erinnerungskultur.



Wendepunkt

Der Wendepunkt im Garten der Freiheit

Hier geht es zum Wendepunkt

„Erinnern (an eine dunkle Vergangenheit) alleine reicht nicht!” - ist der Anspruch des Projekts Garten der Freiheit wie es in die Gesellschaft wirken will. Es braucht die heute wahrgenommene Verantwortung für das Leben. Die Aussage am Ort „Wo sich Staub zu Licht wandelt” beschreibt einen Prozess, der sich positiv immer weiter in die Zukunft fortsetzen kann. Das steht der Vorstellung entgegen, eine Vergangenheit „endgültig bewältigt” zu haben, denn wo sollte eine positiv wahrgenommene Verantwortung denn enden? Dabei geht es nicht um ein Handeln aus Schuldgefühlen heraus, sondern um eine echte Bewusstwerdung. Es ist damit auch die Chance, die jungen Generationen zu erreichen. Hier ist eben nicht der Frieden der Friedhofsruhe gemeint, sondern neues Leben; ein Frieden, der täglich neu gelebt selbst zum Weg wird.

„Dass wir die Zäune im Miteinander überwinden und unseren Halt nicht hinter Zäunen der Ideologie suchen” - ist auf dem
Grenzstein im Garten der Freiheit zu lesen. Gesellschaften wie Lebewesen sind immer in einer Veränderung. Dieser Garten sei Erinnerung, aber auch Ermutigung und Zeichen für die positive Veränderung hin zur Freiheit und zum Licht; hin zum Leben.

Das Leben ist schön. Von der Dunkelheit in der Welt ist viel in den Zeitungen zu lesen. Sie ist Teil unseres eigenen Lebens und berührt unsere Geschichte, unsere Wahrnehmungen und Erfahrungen. Und doch wissen wir, dass wir nie in einer Welt zufrieden sein können, in der Ignoranz und grundloser Hass überschattet, was eigentlich ein Leben erfüllt von Schönheit, Wahrheit und Güte sein sollte.


Ein identitätsstiftendes Symbol

Rose der Liebe

Wenn unser Land sich seiner Vergangenheit nicht so zu begegnen lernt, dass es ehrlich seine Schwächen erkennen will, also Verantwortung übernimmt, dann wird es nicht die Kraft haben, als Kultur in den Herausforderungen der Zeit zu bestehen. Dieses Projekt soll Impuls und Projektionsfläche für diesen Wendepunkt fürs Leben sein (in der Mitte der weißen Rose des Schalom). Es geht hier also nicht darum, den Deutschen noch ein weiteres mal ihre Schuld aufzuzeigen. In der Selbsterkenntnis sollen die Voraussetzungen entstehen, dass unsere Nation wieder in die innere Stärke und Überzeugung findet, ihre Zukunft und die weitere Entwicklung positiv und lebensbejahend zu gestalten.

Das zentrale Element im
Garten der Freiheit ist das 26 m durchmessende Friedensmal. Es steht für einen anderen Umgang mit der Vergangenheit. Die Kunst als Sprache ist geeignet diesen Impuls zu geben und die langfristigen gesellschaftlichen Folgen eines solchen Impulses können weitreichend sein. Vergleichbares gibt es nicht in Deutschland. Das Friedensmal symbolisiert den Schritt aus der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in die Integration. Darin - „was aus der Vergangenheit gelernt wurde” - liegt die Verantwortung für ein aktives gesellschaftliches Engagement für Frieden und Freiheit, was Zivilcourage und was ein bürgerschaftliches Engagement erfordert. Damit wird der Garten der Freiheit zum positiven identitätsstiftenden Symbol für unser Land.



Ein Gedenken das in die Zukunft reicht

Dieser Ort bringt ins Bewusstsein, dass ein Denkmal gleichermaßen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ansprechen und miteinander verbinden kann. Es wird hier keine Vergangenheit "bewältigt". Vergangenheit ist immer Gleichnis für die Gegenwart, aus der Zukunft entsteht. Sie wiederholt sich - allerdings immer anders - wenn sie nicht verstanden wurde. Im Garten der Freiheit wird dieser Kreis von dem im Friedensmal liegenden Baum des Lebens durchbrochen, was für das innere klare Erkennen steht. Er ist umgeben von einer Tanzfläche. Sie steht für den Austausch in der Gemeinschaft mit anderen Menschen, denn der Mensch lernt sich selbst erst in der Kommunikation mit dem "Du" zu erkennen  (Philosophie Martin Bubers).

Die Tanzfläche steht auch für einen anderen Umgang miteinander. Statt sehr schnell in die Kategorisierungen "Gegner und Feinde" oder aber "Unterstützer und Freunde" zu gehen, sieht man den Anderen als ein Tanzpartner. Das öffnet eine neue Freiheit im Umgang miteinander. Man lernt voneinander und probiert neue Figuren aus.

Der Garten der Freiheit bringt den Impuls eines wertschätzenden Gedenkens, das lebensbejahend und zukunftsorientiert ist, in die deutsche Erinnerungskultur. Damit erreichte man auch wieder die jüngeren Generationen und es wäre damit ein Verständnis jenseits aufgeladener Schuldgefühle zu vermitteln. Dieser Garten der Freiheit könnte sogar als Brücke für ein tieferes Verständnis des Mahnmals für die ermordeten Juden  in Berlin dienen. Eines der Problem in der deutschen Gedenkkultur ist, dass der Eindruck entstanden ist es dürfe nur über das Leid der Anderen gesprochen werden und die Beschäftigung mit dem eigenen Leid sei der erste Schritt in die Verleugnung der deutschen Verbrechen an den Juden. Psychologisch gesehen ist es aber tatsächlich so, dass wer zum eigenen Leid keine Beziehung herstellen kann, auch in kein wirkliches Verständnis vom Leid eines Anderen kommen kann.


Verantwortung bedeutet,
einen Schritt weiter zu gehen -

ins Leben

Es bedeutet nicht, sich des Leidens nicht mehr zu erinnern, sondern zu verwandeln

Verantwortung bedeutet,
einen Schritt weiter zu gehen -

in die Liebe

Die Liebe fragt nach der Wertschätzung des Lebens und der Würde des Menschen

Verantwortung bedeutet,
einen Schritt weiter zu gehen -
in die Freiheit


Ein Zeichen jüdisch-christlicher Versöhnung

Der Garten der Freiheit soll auch zu einem tieferen Verständnis unserer kulturellen Wurzeln befreien. Die Gestaltung besteht im wesentlichen aus Symbolen und den damit verbundenen Metaphern, die in unserem christlichen Kulturraum verankert sind. Die Wurzel "Jerusalem" reicht über das Christentum bis ins Judentum. Es ist dies die tiefste Wurzel unserer europäischen Kultur; verletzt in der Vergangenheit und in der Gegenwart.

Der Gedanke der Heilung der kulturellen Wurzeln ist in die Wahl der Symbole eingeflossen: „Jüdisch in der Gestaltung ist das Wort „Yerushalayim“ auf dem
Grenzstein, das an diese Wurzel und die damit verbundenen Werte der Freiheit (Tora) erinnern soll. Als jüdisch darf auch der Stern auf der Rose des Schalomverstanden werden. Diese Rose mit dem Stern ist aber genauso auch christlich, so wie es der Baum des Lebens im Friedensmal ist, in dem sie sich befindet. Durch den Bezug zu Jerusalem als Wurzel wird die jüdische Kultur und die Idee von Jerusalem gewürdigt. Die Stadt Jerusalem ist der bedeutendste Ort für das Christentum.

 
Licht der Liebe

Gleichzeitig gibt es im Christentum und Judentum die Metapher vom himmlischen Jerusalem. Es gilt als Vision einer Welt, die in Frieden und Freiheit ist. Der Mensch bemüht sich nach dieser Auffassung, das irdische Jerusalem dem himmlischen Jerusalem näher zu bringen und sich so mit Gott zu versöhnen. Mit diesen beiden Aspekte "Wurzel Jerusalem" und "himmlisches Jerusalem" wird am Grenzstein ein Bezug aufgenommen. Es braucht Wurzel und Vision! Auch ein Baum hat beide Aspekte: er kann seine Äste nicht hoch in den freien Himmel strecken, wenn er die Wurzeln dafür nicht hat.




Geopark Bergstraße-Odenwald

Mit dem Garten der Freiheit im Geopark Bergstraße-Odenwald wird ein Teil der charakteristischen Kulturlandschaft des Odenwaldes bewahrt. Die großen Erinnerungssteine stammen vom Borstein, ein Bergwerk 2,4 km entfernt. Es gibt insgesamt nur noch zwei Steinbrüche, wo dieses für den Odenwald charakteristische Gestein gefördert wird.


Schalom und Frieden

Frieden und Schalom. Rabbiner Mordechai Mendelson und der Künstler Thomas Zieringer besuchten zusammen den Garten der Freiheit.





Zurück zur Übersicht  Garten der Freiheit
oder klicken Sie auf das runde Menüsymbol oben auf der Seite.

  © Text und Bild, Friedensmal Wendepunkt e. V., 2018